Krampfadernleiden sind stark verbreitet: Zwei von drei mit der 7 am Rücken erkranken daran. Und etwa ein Prozent der Menschen mit Krampfadern erkrankt als primäre Folge an einem Ulcus cruris. Der Begriff Krampfader geht auf das Mittelhochdeutsche «Krumb-Ader» zurück und kommt von gekrümmte Ader.
Mit dem Namen «Krampfadern» werden Ausweitungen, Schlangenbildung und Knotenbildungen von Venen der Oberfläche und auch von Perforansvenen zwischen hautnahem und tiefem venösem System zusammengefasst, die sich ohne äusseres Zutun nicht mehr zurückbilden können. In Anbetracht ihres Ursprungs teilt man das primären von sekundären Krampfadern.

Einteilung der Krampfadern

Primäre Krampfadern werden durch  eine genetische, vererbbare Venenwandschwäche verursacht. Auf diese vorbestehende Schwäche hat man wenig Einfluss, Krampfadern in der nahen Verwandtschaft deuten darauf hin. Ursachen des sekundären Krampfaderleidens sind durchgemachte tiefe Beinvenenthrombose, die zu Alterationen der Venenklappen führen und zum postthrombotischen Syndrom gehören. Risikofaktoren sind berufbedingtes langes aufrecht sein oder z.B. eine Schwangerschaft.

Funktion der Venenklappen

Beim Gesunden fliesst sauerstoffarmes Blut von den Unterschenkel in Richtung Pumporgan. Diese Strömung wird durch die so genannte Wadenmuskelpumpe geleistet: Die Muskulatur der Beine ziehen sich bei jedem Gang zusammen und drückt Blut durch das Venensystem zum Herzen – entgegen der Gravitation.

Gesunde, dichte Venenklappe

Wenn die Venenklappen richtig suffizient sind, ist es nicht möglich, dass Blut in Richtung Fuss fliessen kann – auch nicht wenn man ruhig steht. Das Bindegewebe bringt dem Venendruck genügend Widerstand entgegen und kann so die Venenfunktion aufrecht erhalten, es bilden sich noch keine Krampfadern.

Krampfadernleiden

Geschlängelte Gefässe können noch funktionierend sein, so lange keine zusätzliche Bindegewebsschwäche besteht. Diese hat zur Folge, dass sich die Gefässe ausweiten und damit die venösen Klappenventile insuffizient werden. Es können viele Jahre vergehen, bis sich ein unsichtbar ausgeweitete Gefäss mit Klappenschwäche zu einer von Auge erkennbaren, schlangenartigen Krampfader verändert. Die umgedrehte Strömung verursacht einen Blutstau, der die Venen stärker erweitert. Wird der Kreis nicht unterbrochen, schreitet die Krankheit weiter fort und gefürchtete Komplikationen können eintreten.

Thrombose als Komplikation

Stase bei Krampfadern ist eine wichtige Ursache für die Ausbildung eines Blutgerinnsels. Das ist nicht nur schmerzhaft sondern kann im subkutanen Venensystem auch zu einer Entzündung (Phlebitis) führen. Erweitert eine Thrombose in den tiefen Venenkomplex, so wird es besorgniserregend. Die dislozierten Gerinselbestandteile können in die Lungenarterien gelangen und diese blockieren. Dieses Situation nennt man LE, sie ist lebensbedrohlich.

Zur Entstehung von Krampfadern können verschiedene Faktoren beitragen. Diese können familiär bedingt oder auch durch Pathologien oder gewisse ungünstige Lebensgewohnheiten ausgelöst werden.

Gründe von Krampfadern sind unter anderem:

  • Schwäche der Venenwand durch Abnahme elastischer Strukturen, Verringerung von Myositen und Venenwandschichten
  • Schwäche der Venenklappen als unmittelbare Konsequenz von geschädigten erweiterten Gefässe oder von Verwachsungen und Schrumpfungen der Klappensegel als Folge einer Thrombose. Dies wird als postthrombotisches Syndrom bezeichnet. Das Verschwinden der Venenklappenfunktion (zum Beispiel ausgelöst durch wenig Bewegung oder zu eng sitzendes oder zu hohes Schuhwerk) führt zur Einbusse des aktiven und indirekten Rücktransports des venösen Blutes zum Herzen hin und zur unbemerkten Zunahme des Venendrucks in den unteren Gliedmassen.
  • Aber auch eine Erhöhung des Drucks im inneren der Vene, geförder durch Adipositas, ausgedehntes Stehen oder Sitzen, zu knappe Bekleidung oder aber Schwangerschaft kann die  Entfaltung von Krampfadern begünstigen.

Die aufgezählten Mechanismen führen oft zu einer Dilatation der beiden grossen oberflächlichen Beinvenenstämme (Stammkrampfadern). Undicht werden normalerweise zuerst die Klappen im Bereich der Einmündung von den grossen Hauptvenen, die sogenannten Mündungsklappen. Die Zerstörung der in diesem Gefässabschnitt fusswärts folgenden Venenklappen ist eine Folge der Mehrbelastung. Schlussendlich kommt es zur chronisch venösen Insuffizienz, die als gefährlichste Komplikation die Unterschenkelgeschwüre (Ulcus cruris) zur Folge haben kann.

Therapiekonzept

Die Basistherapie gestaltet sich mit Kompressionssocken und Bandagen. Durch den erhöhten Gegendruck von aussen wird die Venenfunktion verbessert. Die Therapie mit Kompressionssocken sollte frühzeitig beginnen, um eine Operation möglichst zu verhindern.